Hosengeschichte

Eine Hose zu tragen, tragen zu dürfen! Das ist für mich immer noch von großer Bedeutung! In der 2. Hälfte der 60er Jahre, ich ging zum Gymnasium (Kath. Mädchengymnasium des Ordens der „Armen Schulschwestern“), war das Tragen von Hosen für uns Mädchen untersagt! Ebenso Ärmellose oder eng anliegende Kleidung. Auch im „normalen“ Alltag war das Tragen von Hosen eher ungewöhnlich und wurde nur mal aus Gründen, wie extremer Kälte oder Kartoffeln-Sammeln auf dem Feld geduldet. Bei Zuwiderhandlungen kam auch schon mal der Pastor bei uns zu Hause vorbei um meinen Eltern deutlich zu machen, das sich so etwas für ein ordentliches Mädchen nicht „schickt“. Mann, was kotzte mich das an – ich fand Hose nicht nur viel wärmer und bequemer, sondern auch schicker! So begann ich gegen die Vorschriften Hosen zu tragen, und zwar immer! Das blieb nicht ohne Folgen. Ich bekam Druck von allen Seiten, aber es fanden sich auch immer mehr Mitschülerinnen, die es genauso taten. Hosen-Verbote seitens der Schule würden ausgesprochen, ich wehrte mich mit dem Argument, ich sei „Fahrschülerin“ und müsse warm angezogen sein! Dann wurde eines Tages tatsächlich das Verbot gelockert, nur für kalte Tage und/aber festgestellt, dass es ja auf den Dörfern mitunter wesentlich kälter sei, als in der Stadt. Das war im Grunde der Anfang vom Ende des Hosen-Verbotes – es kamen immer mehr Hosen-Trägerinnen dazu und bald ließen wir uns in Kleidungs-Fragen nicht mehr dreinreden.

Anfang der 70er Jahre kamen dann die Jersey-Hosen auf. Der Jersey leierte total aus, war aber sehr bequem… das war der Moment, als meine Mutter die erste lange Hose ihres Lebens kaufte und uns ganz stolz in der Küche präsentierte. Meine ältere Schwester sagte nur: „Hängearsch“ – Damit war das Thema Hose bei meiner Mutter bis zum späteren Rentenalter erledigt…

Aber ich? Ich finde, ich bin ein Hosen-Typ!

Ja, als nun die Kleider-Mania bei den „Nähnerds“ begann, war ich amüsiert, aber bewunderte dann auch die vielen schönen Möglichkeiten. Habe mir dann selbst auch einige Kleider genäht, wirklich getragen habe ich aber weiterhin überwiegend – vor allem im Alltag – nur Hosen. Je mehr Hosen ich aber nähte, umso mehr fiel mir der Sitz auf, der mir meist nicht gefiel, weder bei genähten, noch bei gekauften.

Plötzlich hatte ich eine Problem-Figur! Selbst Nähkurse, Schnittkonstruktionskurs und ewige herumproberei brachten mich der Lösung nur langsam näher. So ließ ich, als der „Hosenherbst“ begann einen Hilferuf los, der zum Glück erhört wurde – ich bekam Unterstützung von Julia von „Sewing Galaxy“. Sie ließ sich darauf ein, nach Fotos einer „Probehose“ zu beraten! Wunderbar!

Hier in ihrem Blog geht sie auch genau auf dieses Thema ein!

Die „Marlenehose“ 103 aus der burda Heft  12/ 2013 war das Objekt:

Das war für mich wie eine Offenbarung – mit der ich arbeiten kann. Julia, an dieser Stelle ein riesiges DANKESCHÖN für Deine tolle Hilfe!

Inzwischen habe ich die Hose schon getragen und sie trägt sich ausgezeichnet. Trotzdem sehe ich jetzt beim betrachten der Bilder noch Verbesserungs-Bedarf. Also ein Grund, weiter zu machen! Beinahe hätte ich vergessen daß der Abschluss des Hosenherbstes zum Frühlingsbeginn erfolgt!

Für mich war es schön, mal die geballte Auseinandersetzung mit Hosen-Passform-Problemen zu erleben. Liebe Meike von „Crafteln“ Vielen Dank für die tolle Idee, die Organisation und die Anregungen. Ich hoffe, es werden noch einige schöne Hosenideen gezeigt!

 

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9 Kommentare zu „Hosengeschichte

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  1. Die Hose ist toll, der Schnitt passt und sie steht dir ausgezeichnet. Danke auch für die positiven Worte zu den Hosen, sehr schnell vergisst man, das es nicht immer selbstverständlich war eine Hose tragen zu können.
    Viele Grüße
    Sylvia

  2. Was für ein spannender Post! Kaum zu glauben, wie streng es damals war. Der Pastor kommt zu Besuch – ganz schön heftig. Ich habe als Kinde fast nur Hosen getragen, die waren so praktisch, wohingegen Röcke und passende STrumpfhosen in der damaligen DDR nicht einfach zu bekommen waren. Kleidervorschriften gab es aber zum Teil auch … bei auffälligen „Westklamotten“ wurden manche schonmal zum Schuldirektor zitiert 😉
    Deine neue Hosen jedenfalls gefällt mir sehr gut! Toller SToff und der Schnitt ist wunderbar. elegant und sportlich – eine Hose für viele Gelegenheiten! LG Kuestensocke

  3. Die Hosen-Geschichte ist ja unglaublich, so lange ist das ja noch gar nicht her! Danke fürs Erzählen. Ich glaube, wenn ich das erlebt hätte, würde ich aus Prinzip nur noch Hosen tragen.

  4. Sehr schön erzählte Hosengeschichte! Ich finde die fertige Hose gut gelungen, die Beurteilung an (statischen) Fotos ist aber immer schwierig, in Realität sind die Hosen ja häufig in Bewegung. Ich kenne jedoch auch den Ehrgeiz von „das geht noch besser“ – irgendwie ist man beim Selbstgenähten viel kritischer als bei Kaufkleidung.

    Viele Grüße, Frau Lotterfix

    1. Vielen Dank! Entschuldige, dass ich erst jetzt frei schalte, habe es leider erst eben gesehen 😳
      In der Bewegung gefällt mir meine Hose sogar noch besser. Es ist ein feiner Stoff mit etwas Stretch mit offenbar guten Trage-Eigenschaften.
      LG und ein schönes Wochenende 😀
      Birgit

  5. Hallo Birgit,
    ich weiß, ich bin ein bisschen spät dran mit meinem Kommentar aber wollte Dir noch sagen, dass ich den Post sehr interessant fand. Da sieht man mal wie sich die Zeiten ändern.
    Zu meiner Schulzeit war es eher komisch wenn Mädchen Röcke oder Kleider trugen. Von der Schulleitung her war alles erlaubt, da waren eher die Mitschüler strenger. Aber zu der Zeit bin ich selber nicht auf die Idee gekommen, dass ich dort auch Röcke oder Kleider tragen könnte. Immer nur Hosen – jahrelang. Jetzt freue ich mich, dass ich Kleider und Röcke für mich entdeckt habe.
    Deine Hose sitzt super. Toll, dass Du eine so kompetente Hilfe wie Sewing Galaxy hattest.
    Lieber Gruß, Muriel

  6. Interessante Erinnerung. Meine Oma fing erst an Hosen zu tragen, nachdem ihr Mann gestorben war. Das war Mitte der 80er. Ich erinnere mich, dass sie plötzlich viel jünger wirkte.
    Deine Hose gefällt mir sehr gut. Bei mir selbst stand das Hosen-Nähen bislang unter keinem guten Stern. Ich möchte unbedingt einen Kurs machen.

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